
Studieren, Leben und Arbeiten in Koblenz. Ein studentisches Monitoring für Koblenz (StuMoKo)
Heiko Weckmüller und Marc Hannappel
1) Hintergrund und empirische Ausgangsbasis
Der zunehmende Fachkräftemangel stellt viele Regionen vor die Herausforderung, Hochschulabsolvent:innen nach dem Studium in der Region zu halten. Eine wichtige Rolle spielen dabei sowohl Standortfaktoren wie Lebensqualität als auch die Sichtbarkeit regionaler Unternehmen. Eine im Jahr 2022/23 durchgeführte Vollerhebung unter Studierenden in Koblenz zeigte, dass der regionale Arbeitsmarkt von Studierenden als wenig attraktiv wahrgenommen wird. Auffällig war zudem, dass viele Studierende – selbst in wirtschaftsnahen Fächern – keine fundierte Einschätzung zur Wirtschaftsstruktur der Region abgeben konnten und häufig die Antwortoption „weiß nicht“ wählten. Dies deutet auf ein Informationsdefizit und eine geringe Wahrnehmung des regionalen Wirtschaftsstandorts hin. Die Daten legen nahe, dass es nicht allein an der tatsächlichen Attraktivität fehlt, sondern an der Kommunikation und Sichtbarkeit wirtschaftlicher Chancen in der Region.
2) Projektskizze
Das geplante Projekt knüpft an die bisherigen Erkenntnisse an und entwickelt ein neues Erhebungsinstrument, das die Perspektive der Studierenden auf den regionalen Wirtschaftsstandort systematisch erfasst. Ziel ist es, differenzierte Einschätzungen zu Stärken und Schwächen des Standorts aus Sicht der Studierenden zu gewinnen – sowohl auf Ebene allgemeiner Standortfaktoren als auch mit Blick auf einzelne Branchen oder Unternehmensarten. Zugleich wird in der neuen Studie eine vertiefte Auseinandersetzung mit der Arbeitgeberattraktivität angestrebt. Studierende sollen bewerten, welche Merkmale und Kommunikationsformen sie bei potenziellen Arbeitgebern in der Region als ansprechend empfinden – und wo sie aktuell Defizite sehen. Diese Kombination aus standortbezogener Einschätzung und arbeitgeberbezogener Attraktivitätswahrnehmung bildet die Grundlage für zielgerichtete Analysen und Empfehlungen.
3) Transferidee
Die auf diese Weise gewonnenen Daten bieten eine empirisch fundierte Grundlage für die Entwicklung differenzierter Rekrutierungsstrategien. Unternehmen und regionale Akteure erhalten gezielte Hinweise darauf, wie sie unterschiedliche Studiengänge und Zielgruppen besser ansprechen können. So lassen sich z. B. branchenspezifische Maßnahmen, studiengangsbezogene Anspracheformate oder Kooperationen mit Hochschulen strategisch aufbauen. Das geplante Projekt bietet damit nicht nur einen Beitrag zur regionalen Fachkräftesicherung, sondern auch zur evidenzbasierten Entwicklung von Personalmarketingstrategien, die auf die Erwartungen und Wahrnehmungen der künftigen Absolvent:innen abgestimmt sind.